Schwebend und kraftvoll zugleich wirken die Bilder von Petra Gillhaus.

Das Schwebende, sich von Alltagsschwerem Lösende entsteht durch großzügige Farbfelder, deren Form nicht mit geometrischer Begrifflichkeit festgehalten werden kann, sondern an das sich Ausbreitende und Strömende von Wasser erinnert  – Wasser auf saugendem Untergrund auf dem Boden, Wasser am Himmel, das uns als Wolke erscheint. Dieser dynamische Vorgang des Strömens wird durch die sich auflösende Kontur unterstrichen. Die Grenzen zwischen den Farbfeldern haben nichts Konfrontatives, sie setzen auf Austausch, und so kann man immer wieder beobachten, wie  Boten ins benachbarte Farbreich geschickt werden. Diese Vorgehensweise einigt die Farbstruktur und erzeugt gleichzeitig Lebendigkeit und Vielfalt.

Die Farbe, die am häufigsten auftaucht, ist Blau, das in seinem ganzen Helligkeitsumfang ausgespielt wird. Zart und transparent und unergründlich dunkel, das Schwarz berührend. In der Farbe Blau drückt sich Vergeistigung aus. Blau schafft Ferne, gibt Raum und enthält immer eine Spur Melancholie, Nachdenklichkeit. Für den französischen Maler Yves Klein war Blau die einzige Farbe, die es wert war, Kunst zu schaffen. So weit kommt es hier aber nicht, Zum Blau gesellen sich Helligkeiten, Unbuntes. Weiß, farbig gebrochenes Weiß, vielerlei Grau. Das Schwebende verstärkt sich. Petra Gillhaus engt sich nicht ein. Wozu sonst gibt es den Reichtum der Farben? Aber in ihrer

Farbkomposition gibt es Leitmotive, Führungsstimmen, wodurch immer wieder neue Stimmungsfärbungen entstehen. So kann sich ein leuchtendes Rot temperamentvoll Platz verschaffen und wie ein sich ausbreitendes Magmafeld wirken.

Über die farbliche, malerische Bildebene breitet sich eine grafische Schicht aus. Die meist dunklen Linien haben ihre Aufgabe darin, Konturteile zu akzentuieren, Farbfelder miteinander zu verbinden oder mit kleinen Figurationen Gegengewichte und Aufmerksamkeitspunkte zu bilden. Diese Linien verfügen über die ästhetischen Qualitäten ostasiatischer Kalligraphie. Sie wechseln in ihrem Verlauf Linienbreite und  Helligkeit, zeigen Spuren des 'trockenen' Pinsels und lassen durch ihre gestische Bestimmtheit Rückschlüsse auf die Persönlichkeit der Malerin zu.

Hier sind Einfühlsamkeit und handelnde Entschlossenheit als zwei sich steigernde, nicht sich ausschließende, Pole, in den Bildern zu beobachten, und in ihnen spiegelt sich auch die grundsätzliche Einstellung ihrer Schöpferin zur Welt. Einer visuellen Komplexität kann man nur mit Gestaltungskompetenz, technischer Fähigkeit, Kenntnis um Prozessabläufe und Geduld gerecht werden. Konkret bedeutet das, dass Petra Gillhaus souverän über jene Maltechniken verfügt, die die Formen verschwimmen und untere Farbschichten sichtbar werden lassen Sie weiß die  verschiedensten Malinstrumente einzusetzen, um den Oberflächen eine langweilige Gleichförmigkeit zu nehmen. Und sie kann ihre Arbeitsprozesse steuern,  Zufälligkeiten bewusst initiieren, um sie nach gestalterischer Reflexion, entweder zu verwerfen oder bearbeitet in das Bildgefüge einzubauen.

Häufig erinnern die Bilder von Petra Gillhaus an Aufsichten auf imaginäre Planeten aus großer Höhe. Unbekannte, vielversprechende Kontinente breiten sich in Form von Maps, Landkarten vor uns aus. Sie mit den Augen zu durchwandern stärkt die Seele.

 

Ela Stern